Covid-19 pusht die Gig Economy.

+ aus der Praxis: 4 Hinweise auf gutes Management

von Henning Lindhoff, Redakteur Der Privatinvestor, am Donnerstag, den 4. Juni 2020.

Covid-19 lässt die Tech-Unternehmen florieren. Dazu gehören auch Titel wie Wix.com und Fiverr, die wir uns heute einmal genauer anschauen möchten.

Fiverr ist bereits seit einem guten Jahrzehnt wichtiger Player der sogenannten Gig Economy. Freiberufler bewerben ihre Dienste auf der Plattform. Unternehmen buchen diese. So entstehen kleine Werkverträge, beispielsweise über die Erstellung einer Website oder das Design eines Buchumschlags. Der Aktienkurs der israelischen Firma Fiverr International ist seit ihrem Börsengang an der NYSE im Juni 2019 um über 200 Prozent gestiegen. Allein im Mai 2020 kletterte der Kurs um 66 Prozent.

Grund waren auch die starken Zahlen zum 1. Quartal 2020: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 44 Prozent auf 34,2 Mio. USD. Die Nettoverluste gingen von 0,20 USD auf 0,08 USD pro Aktie zurück.

Nicht erst seit dem Börsengang wird die Plattform sukzessive aufgewertet. So wurden zum Beispiel die Algorithmen, die Wiederholungskäufe und Kategorien-übergreifende Käufe empfehlen, stetig optimiert. Im Juli 2019 wurden die Fiverr Studios eingeführt. Hier können Freiberufler für einzelne Projekte kooperieren.

Die Pandemie pusht die Gig Economy weiter voran. Zahlreiche Unternehmen forcieren nun das Home Office, müssen aber auch verstärkt über Out-Sourcing nachdenken. Für sie stellt Fiverr nun mehr denn je ein überaus hilfreiches Tool dar. Die Algorithmen helfen beim Finden der besten Kandidaten für einen Job. Auch die Koordination der Freelancer-Teams wird durch die Plattform selbst immer besser unterstützt. Dies entlastet die beauftragenden Unternehmen. Wir sehen noch viel Potenzial für weiteres Wachstum in der Zukunft.

Fiverr agiert dabei auf einem stabilen Fundament. Die liquiden Mittel überwiegen die Verbindlichkeiten deutlich. Das Current Ratio beträgt 2,14.

Auch Wix.com möchte Unternehmen im Internet unterstützen, stellt dazu einen Homepage-Baukasten zur Verfügung. Grundfunktionen sind kostenlos, doch für zusätzliche Dienste wie Shop-Systeme, individuelle Webadressen und Analyse-Tools müssen die Nutzer Geld zahlen.

2006 wurde das Unternehmen in Tel Aviv gegründet. 7 Jahren später folgte der Börsengang. 2019 konnte sich das Management über insgesamt 150 Mio. Nutzer freuen. Konkurrenten wie Shopify haben zwar noch deutlich mehr Medienpräsenz, doch die Zahlen zum  1. Quartal 2020 waren hervorragend: Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Der Wachstumstrend ist intakt. Angetrieben vom Abo-Modell „Creative Subscriptions“ stiegen die Einnahmen um 24 Prozent auf 216 Mio. USD. Der Free Cashflow liegt heute bereits bei 40 Mio. USD.

Investitionen werden weiter vorangetrieben. Neben dem Website-Vorlagen-Portfolio werden auch die Integrationsmöglichkeiten digitaler Zahlungsanbieter stetig erweitert. Auch die direkte Betreuung der Kunden bei der Erstellung ihrer Websites gewinnt an Bedeutung.

Auch dank dessen konnte Wix.com im vergangenen April 3,2 Mio. neue Nutzer gewinnen – ein Plus von 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die Zahl der Premium-Abonnements stieg gegenüber April 2019 deutlich an: +207 Prozent.

„Sobald die Leute verstanden hatten, dass wir in den Lockdown gehen werden, gab es einen massiven Aufschwung“, so Nir Zohar, COO von Wix.com. Übrigens: Zohar sitzt auch im Vorstand von Fiverr International.

Wix.com ist stärker verschuldet als Fiverr, kommt aber dennoch auf ein ordentliches Current Ratio von 1,5. Für einen Wachstumstitel ist das sehr gut. Bereits seit 2015 wird Free Cash Flow generiert – mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten Jahr für Jahr.

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Boom für Zoom

Auf der Gewinnerseite der Pandemie steht auch der immer bekannter werdende Anbieter von Videokonferenz-Software. Dies machten die Zahlen für das 1. Quartal 2020 mehr als deutlich. Der Umsatz von Zoom sprang auf 328 Mio. USD, der Gewinn auf 27 Mio. USD. Das Management hob den Jahresausblick deutlich an: Der Umsatz soll im Gesamtjahr 2020 auf 1,8 Mrd. USD steigen. Der Preis der Aktie stieg nachbörslich um gut 6 Prozent. Eine Dividende gibt es nicht.

Mehr als eine Randbemerkung wert: Auf der Investoren-Konferenz sagte CEO Eric Yuan, die neue Verschlüsselungssoftware gebe es nur für zahlende Kunden. Denn: „Wir wollen auch mit dem FBI zusammenarbeiten und mit den örtlichen Strafverfolgungsbehörden.“

Covid-19 treibt das Online-Business an. Giganten à la Jeff Bezos‘ Amazon profitieren genauso wie Newcomer vom Schlage Fiverr und Wix.com. Daneben sind aber auch die sogenannten „Bleib-zu-Hause-Aktien“ weiterhin von Interesse. Obwohl die Beschränkungen weltweit zurückgeschraubt werden, ist der Trend des Home Office und der physischen Distanzierung weiter intakt. Die Menschen werden auch nach den Lockdowns deutlich mehr Zeit zu Hause verbringen.

An dieser Entwicklung will auch Sega Sammy Holdings teilhaben. Vielleicht kennen Sie den traditionsreichen Videospiele-Hersteller Sega. Dieser fusionierte im Jahr 2004 mit Sammy Corporation, einem der größten Spieleautomatenhersteller Japans.

Sega arbeitet nun daran, den Arcade-Markt mit Hilfe der sogenannten „Fog-Gaming“-Technologie auf den Kopf zu stellen. Das Prinzip folgt einer ähnlichen Philosophie wie Googles Videospiel-Streamingdienst Stadia: Anstatt dass die Spiele auf lokalen Geräten laufen, sollen sie aus der Cloud gezogen werden. Hier kommt es technisch auf geringe Latenzzeiten an, um ein flüssiges Spielerlebnis zu ermöglichen. Interessant ist die Technologie nicht nur für Heimanwender. Auch Spielhallen könnten „Fog Gaming“ nutzen, um Hardware-Kosten zu sparen.

Die Umsatzentwicklung von Sega Sammy war in den letzten Jahren sehr mau. Profitabel war das Geschäft nicht. Der Return on Invested Capital betrug zuletzt nur 0,73 Prozent. Free Cashflow wurde in den letzten Jahren nur selten erwirtschaftet. Das Unternehmen hat auf einem wachsenden Markt viele Entwicklungen verschlafen. Ob nun die finanzielle und personelle Power existiert, gegen Googles Stadia bestehen zu können, ist mehr als fraglich.

Mehr Linux für Lenovo

PC-Hersteller Lenovo hat angekündigt, bei seinen Workstations der Serien ThinkPad P und ThinkStation künftig verstärkte auf Linux-Betriebssysteme setzen zu wollen. Anstelle von Windows 10 Pro können Käufer nun künftig jede Hardware-Zusammenstellung wahlweise mit vorinstalliertem Ubuntu-Linux oder Red Hat Enterprise Linux konfigurieren. Das Unternehmen aus Hongkong, das u.a. für IBM fertigt, wuchs in den letzten 10 Jahren durchschnittlich um je 11 Prozent. 1,2 Mrd. USD Free Cashflow wurden im Geschäftsjahr 2019/20 generiert. Rund 66 Prozent des Gewinns werden aktuell an die Aktionäre in Form von Dividenden ausgeschüttet.

Schlechte Lage für Lkw-Hersteller in den USA

Nach Schätzungen von FTR Transportation Intelligence fiel die  Zahl der Aufträge für schwere Lkw im Mai 2020 um 37 Prozent im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahresmonat. Gegenüber Mai 2018 liegt das Minus sogar bei 81 Prozent. Negativer Höhepunkt des Monats war der Konkurs von Comcar Industries, dem Betreiber von vier Speditionen mit insgesamt rund 950 Beschäftigten: CCC Transportation, CT Transportation, CTL Transportation und MCT Transportation.

Was macht einen guten Manager aus?

Nir Zohar, Eric Yuan, Jeff Bezos… Wir sind heute auch über den einen oder anderen Unternehmensverantwortlichen gestolpert. Für uns Anleger spielen diese Persönlichkeiten eine ganz besondere Rolle. Sie sind es, die die Unternehmen, die wir als Aktionäre gekauft haben oder noch kaufen wollen, leiten. Auf sie kommt es an, wenn es darum geht, zukünftige Wachstumschancen zu erkennen und in einer sich wandelnden Welt profitabel zu wirtschaften.

Das bedeutet für uns Investoren: Wie erkennen wir ein gutes Management? Welches Management ist unser Geld wert?

Zur Beantwortung dieser Fragen will ich Ihnen an dieser Stelle ein paar kurze Stichpunkte an die Hand geben:

  1. CEOs können sich vor allem auf zwei unterschiedliche Arten hervortun: mit Wertschöpfung im operativen Geschäft und mit intelligenter Kapitalallokation.
  2. Unterscheiden Sie bitte zwischen der Geschäftsentwicklung und der Entwicklung des Aktienkurses! Gutes Management führt zu guten Geschäftszahlen. Das ist verständlich. Doch ob diese gute Zahlen auch zu steigenden Aktienkursen führen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das heißt: Bewerten Sie das Management stets nur anhand der Geschäftsberichte. Ob Sie als Anleger Rendite einfahren, hängt ganz wesentlich davon ab, zu welchem Kurs sie gekauft haben. Und dafür können die Manager nichts…
  3. Charlie Munger, der Wingman von Warren Buffett, gibt gerne folgenden Ratschlag: Versuchen Sie nicht, den besten aller Manager zu finden. Versuchen Sie nur, die schlechten Manager und ihre Unternehmen auszusortieren. Das ist sehr viel effizienter.
  4. Und dann geht es natürlich auch um die Haltung des Manager gegenüber seinen Investoren, gegenüber Ihnen also. Kommuniziert er offen und transparent? Können Sie seine Sicht auf die Zukunft nachvollziehen?

Mehr auch zu diesem Thema lesen Sie in Zukunft hier auf dem Privatinvestor Blog.

Ich grüße Sie auf das Beste!

Ihr

Henning Lindhoff 🙂

Redakteur Der Privatinvestor

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