Zündet Tesla jetzt den Cashflow-Turbo?

von Henning Lindhoff, Redakteur Der Privatinvestor, am Mittwoch, den 10. Juni 2020.

Das Münchner Flugtaxi-Startup Lilium hat einen prominenten neuen Investor gefunden. Baillie Gifford, bislang bekannt für seine Finanzspritzen an Tesla, Amazon und Airbnb, gab 35 Mio. USD. In der neuen Finanzierungsrunde flossen zudem weitere 340 Mio. USD.

Andere Unternehmen aus der Flugverkehrsbranche warten noch vergeblich auf gute Nachrichten. Boeing konnte im Mai lediglich vier neue Verkehrsflugzeuge ausliefern. Und nur eine einzige neue Bestellung konnte der Auftragsliste hinzugefügt werden. Auf der anderen Seite wächst die Liste der Stornierungen stetig. Vom 1. Januar bis zum 31. Mai wurden bereits 602 Aufträge zurückgezogen.

Bereits 2019 musste Boeing die Payout Ratio seiner Dividende auf 120 Prozent hochschrauben, um seine Aktionäre bei der Stange zu halten. Die Tragödien rund um 737 Max hatten viel Vertrauen gekostet. In den letzten 12 Monaten ist der Umsatz auf 70 Mrd. USD abgerutscht. Ein positiver Free Cashflow wurde zuletzt 2018 generiert.

Tesla im Höhenflug: Jetzt winkt die Cash Cow

Baillie Gifford freut sich sicherlich besonders über seinen Tesla-Deal. Aktuell hält er mehr als 7,6 Prozent der Anteile. Die Aktie notiert heute bei rund 940 USD und damit nur 2,9 Prozent unter ihrem All Time High. Von Krise ist in Palo Alto zurzeit nichts zu spüren.

Richtig Oberwasser hat Elon Musk seit Oktober letzten Jahres, als Tesla, für viele überraschend, einen Quartalsgewinn ausweisen konnte. Auch die folgenden beiden Quartale endeten in den schwarzen Zahlen, sodass die aktuelle Phase die längste profitable der nunmehr bereits 17-jährigen Firmenhistorie darstellt. Im 10-Jahresdurchschnitt wächst der Tesla-Umsatz um mehr als 70 Prozent pro anno. Der operative Cashflow konnte zuletzt um 14 Prozent gesteigert werden. Und auch der Free Cashflow ist mittlerweile positiv. Mit Blick auf die letzten 12 Monate beträgt er 992 Mio. USD.

Zudem gesundet auch die Bilanz. Der Verschuldungsgrad wurde in den letzten 3 Jahren deutlich gesenkt. Auch das Current Ratio ist für einen solchen Wachstumstitel mit 1,24 sehr ordentlich.

Die Chance, dass nun die Cash-Cow-Phase beginnen könnte, beflügelt die Fantasie vieler Anleger. Jeder neue Kursrücksetzer, so klein und kurz er auch sein mag, zieht neue Aktionäre an.

Neuer Tesla-Turbo: Nun schielt Elon Musk auch auf das lukrative Versicherungsgeschäft, das dank monatlicher Prämien steten Cashflow verspricht. Mit Kfz-Policen will er den europäischen Versicherungsmarkt aufwirbeln. Entsprechende Angebote wurden bereits in Kalifornien getestet und für gut befunden. Die Tesla-Versicherungen sind in dem US-Bundesstaat bis zu 30 Prozent billiger als die Konkurrenzprodukte. Die Rabatte werden in Kombination mit dem Tesla-Autopilot gewährt. Der große europäische Roll-Out könnte den Cashflow in Zukunft nochmals deutlich stabilisieren und ein solides Fundament für die auch in Zukunft notwendige Forschung bereiten.

Tesla als ESG-Investment?

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit gehören sicherlich zu den Forschungsfragen, die auch die Tesla-Genies angehen müssen. Nur direktes Recycling von Batteriezellen, das jedoch noch in den Kinderschuhen steckt, kann, nach einer Studie der Carnegie Mellon University aus dem Jahr 2019, verlässlich helfen, CO2-Emissionen zu verhindern. Aus den zylindrischen Zellen, auf die Tesla setzt, muss etwa 90 Prozent des Kathodenmaterials wiedergewonnen werden.

Zurzeit noch lohnt sich das Kobalt-Recycling wirtschaftlich. Doch die Preise auf dem Rohstoffmarkt schwanken. Bei Lithium ist es aktuell sogar noch günstiger, den frisch geförderten Rohstoff zu verwenden. Langfristig jedoch muss das Thema auf die Agenda.

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Künstliche Intelligenz als Übersetzer

Ein Team von Facebook AI Research hat einen neuen Transcompiler vorgestellt, einen Übersetzer zwischen verschiedenen Programmiersprachen. Ihr „TransCoder“ übersetzt Programm-Code zwischen den Sprachen C++, Java und Python. 2,8 Millionen Open-Source-Programme dienten der Künstlichen Intelligenz als Trainingsmaterial.

Entwicklern bleibt womöglich in Zukunft erspart, Code von Grund auf neu schreiben zu müssen. So die Hoffnung. Doch die Praxis ist noch etwas komplizierter. Die unterschiedlichen Programmiersprachen weisen auch verschiedene Syntaxen auf. Zudem stützen sie sich auf eine Vielzahl von Plattform-APIs, Standard-Bibliotheksfunktionen und Variablentypen. Bis eine KI also absolut selbstständig Programmcode übersetzen kann, liegt noch viel Arbeit vor Facebook und den anderen Branchengrößen.

Huawei bei der Infrastruktur ganz vorn dabei

Für den Aufbau des 5G-Netzes ist Huawei nicht mehr wegzudenken. Dies zeigten bereits mehrere internationale Studien. Bis zum 31. Januar 2020 hat das chinesische Unternehmen über 3.000 Patentfamilien im Zusammenhang mit 5G deklariert, 2.400 davon auch innerhalb der EU. Daten des Europäischen Patentamts geben an, dass Huawei im Jahr 201, inklusive 5G, die meisten Patentanträge in der EU gestellt hat – mehr als 3.500.

Samsung folgt mit rund 2.800 deklarierten 5G-Patentfamilien auf Platz 2. Allerdings liegt Samsung bei den erteilten Genehmigungen noch vor Huawei. ZTE, der zweite große Hersteller aus China, rangiert mit knapp 2600 Patentfamilien auf Rang 3. Die beiden US-Hersteller Qualcomm und Intel vereinen zusammen nicht mehr als 2.000 Patentfamilien mit 1.000 genehmigten Patenten auf sich.

Bytedance trennt chinesischen vom internationalen Markt

Gerüchten in den Tech-Medien zufolge soll Bytedance, das chinesische Unternehmen hinter der Kurzvideo-App TikTok, neue Richtlinien eingeführt haben. Mitarbeiter, die sich in China befinden und für den dortigen Markt entwickeln, sollen demnach nicht mehr uneingeschränkten Zugang auf Codes und Datensätze erhalten.

Stimmen diese Berichte, könnte der Vorgang gerade hinsichtlich des Datenschutzes erhebliche Vorteile für die Nutzer mit sich bringen. In der Vergangenheit hatte Bytedance immer wieder erhebliche Kritik für seinen sorglosen Umgang mit persönlichen User-Daten geerntet. Durch eine erfolgreiche Trennung könnte sich der Tech-Konzern nicht mehr auf die chinesischen Datenschutzbestimmungen berufen.

Ein anderer Punkt ist natürlich die Entwicklung der Produktqualität. Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass es, gerade wenn Machine Learning eingesetzt wird, auf die Menge der gesammelten Daten ankommt. Kann TikTok seinen Hype in der jungen Generation weiter fortsetzen, wenn die Datensphären wirklich getrennt werden? Diese Frage bleibt spannend.

Ich grüße Sie herzlich!

Ihr

Henning Lindhoff

Redakteur Der Privatinvestor

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