Mastercard: Das macht den Zahlungsdienstleister so stark

+ aus der Praxis: Erste Grundlagen zur Berechnung der unternehmerischen Ertragskraft

von Henning Lindhoff, Redakteur Der Privatinvestor, am Freitag, den 12. Juni 2020.

Der Automarkt kommt nicht zur Ruhe: Marktforscher von Ernst & Young haben nun errechnet, dass der Gesamtgewinn der 17 weltgrößten Autobauer im ersten Quartal 2020 auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen ist: 7,5 Mrd. EUR. Der Umsatz sei um 9 Prozent gefallen, die Zahl abgesetzten Neuwagen um 21 Prozent. China verzeichnete mit -38 Prozent den stärksten Einbruch, gefolgt von Westeuropa mit -28 Prozent. Die USA folgen mit -15 Prozent.

Die Krise beschleunigt die kreative Zerstörung

EY spricht von einem „Niedergang im Zeitraffer“. Im Zuge vermehrter Investitionen in die Elektrifizierung waren die Margen der Autokonzerne bereits im Vorjahr stark unter Druck geraten. Bereits 2019 waren die Gewinne um insgesamt 13 Prozent gefallen. Unternehmensinsolvenzen und steigende Arbeitslosenzahlen wirken nun wie Katalysatoren auf den ohnehin bestehenden Trend.

Einen Trend, den womöglich nicht alle Beteiligten überleben werden. Die Last der Überkapazitäten nimmt zu. Werkschließungen wären bei vielen die logische Folge der Entwicklung.

Autozulieferer Continental hat bereits reagiert, will die Dividende sowie Vorstandsgehälter kürzen sowie betriebsbedingte Kündigungen aussprechen.

Die Krise motiviert zur Kooperation

So haben bereits Ford und Volkswagen eine Zusammenarbeit bei Nutz- und E-Fahrzeugen angekündigt. Auch am Autonomen Fahren will man gemeinsam tüfteln. 884 Mrd. EUR investiert Volkswagen in die Ford-Tochter Argo AI, die entsprechende Hard- und Software entwickelt.

Richtig glänzen kann in dieser Phase jedoch nur Tesla. Kurzzeitig sprang die Aktie auf über 1.000 USD. Zur gestrigen Schlussglocke notierte sie bei 972,84 USD. Damit beträgt die Marktkapitalisierung nunmehr 180 Mrd. USD. Zum Vergleich: Die drei deutschen Flaggschiffe Daimler, BMW und Volkswagen gemeinsam bringen es umgerechnet auf 176 Mrd. USD.

Ein anderer einprägsamer Vergleich: Teslas Model 3 fand im ersten Quartal 70.000 Käufer. Kein einziges deutsches E-Auto kam in dieser Zeit auf mehr als 11.500 Stück.

Trotz des aktuellen Höhenfluges am Aktienmarkt: Auch Tesla wird noch einige Rückschläge erleben. Elon Musk kann nicht allzu viele Modelle gleichzeitig produzieren lassen. Dabei haben die Modelle S und X schon einige Jahre auf dem Buckel. Die Investitionen in neue Werke und Technologie sind also noch lange nicht abgeschlossen. Zudem muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Dies alles wird nicht ohne Auswirkung auf Margen und Aktienbewertung bleiben. Die eine oder andere Einstiegschance wird mit Sicherheit noch kommen.

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Mastercard: Wann ist die Aktie kaufenswert?

Das Kreditkartenunternehmen arbeitet mit einer sehr schlanken Kostenstruktur, beschäftigt weltweit nur rund 18.600 Mitarbeiter – wenig im Vergleich zu Konkurrenten wie Paypal (23.000) und American Express (64.000).

Der Burggraben der Zahlungsanbieter ist tief. Die Europäische Zentralbank fordert von europäischen Banken bereits einheitliche Standards für den digitalen Zahlungsverkehr ein, da ihr die Marktstellung von Mastercard und Co. zu stark erscheint.

Der Online-Handel floriert und Mastercard investiert weiter in die Zukunft. Der Umsatz wurde in den letzten 12 Monaten auf 17 Mrd. USD gesteigert, der Free Cashflow auf 7,9 Mrd. USD. Letzterer konnte im Jahr 2019 um 30 Prozent gesteigert werden.

Mastercard arbeitet profitabel. Die operative Marge liegt bei mehr als 56 Prozent, die Eigenkapitalrendite sogar bei mehr als 150 Prozent.

Der Ausbau des digitalen Angebots schlägt jedoch auf die Bilanz. Das Current Ratio ist mit 1,8 zwar solide. Doch die Schulden wiegen mehr als das Doppelte des Eigenkapitals.

Die Aktie hat sich vom März-Tief bei 192 EUR gut erholt auf zuletzt 262 EUR. Ist sie nun ein Investment wert?

In den letzten 5 Jahren erzielte Mastercard einen durchschnittliche Gewinn von 4,85 USD pro Aktie. Wenn Sie von dem Geschäftsmodell überzeugt sind, davon ausgehen, dass dieser Gewinn auch in Zukunft realistisch ist und wenn Sie eine Rendite von 10 Prozent erzielen möchten, sollten Sie nicht mehr als 48,50 USD für die Aktie ausgeben.

Diese Berechnung verwendet womöglich die große Mehrheit der Privatanleger. Doch sie ist nur auf den ersten Blick stichhaltig! Denn hier lauert bereits der erste Fallstrick:

Der Gewinn ist wahrscheinlich die am meisten manipulierte Kennzahl in einem Geschäftsbericht. Die Zahl wird allein schon aus steuertechnischen Gründen gerne kleingerechnet. Auch müssen in den USA alle nicht-realisierten Gewinne und Verluste (bspw. die Gewinne gehaltener, aber nicht verkaufter Aktien) in der Rechnung auftauchen. Hinzu kommen Sonder- und Einmaleffekte (Bilanzanpassungen und Währungseffekte), die diese Position belasten.

Welche Kennzahlen und Formeln besser geeignet sind für die Einschätzung der unternehmerischen Ertragskraft zeige ich Ihnen an dieser Stelle in den kommenden Tagen.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende!

Ihr

Henning Lindhoff

Redakteur Der Privatinvestor

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