CureVac-IPO bereits im Juli

+ aus der Praxis: Messen Sie das Management an seinem ROCE

von Henning Lindhoff, Redakteur Der Privatinvestor, am Dienstag, den 16. Juni 2020.

Am gestrigen Handelstag drehten einige Finanzwerte und manche Zykliker ins Plus. Tech-Aktien stehen seit Wochen ohnehin auf der Gewinnerseite. Von den steigenden SARS-CoV-2-Infektionen in vielen US-Bundesstaaten lässt sich Morgan Stanley nicht abschrecken. Die Analysten der Großbank prognostizieren weiterhin eine V-förmige Erholung. Voraussetzung sei jedoch, dass keine übertriebene Virus-Angst in der Bevölkerung ausbreche, ein weiterer Lockdown ausbleibe und die medizinischen Einrichtungen nicht an ihr Belastungslimit stießen.

Die kleine Korrektur der vergangenen Woche nimmt manch einer nun wieder zum Anlass, neue Wirtschaftshilfen in Billionen-Höhe zu fordern. Andere wiederum spekulieren nun mit einer großen Verkaufswelle, die vor wenigen Tagen ihren Anfang genommen habe. Ich schließe mich den Analysten von Fidelity an und sage, solche Rücksetzer sind absolut normal. Die Gegenbewegung war überfällig nach der sensationellen Rallye im Mai. Viele Titel waren und sind aktuell immer noch sehr teuer. Die kommenden Tage können durchaus noch einige interessante Einstiegschancen bieten, wenn die Kurse deutlicher purzeln.

Auch die Emerging Markets bieten noch Potenzial

Aktive Fondsmanager haben zwischen 2003 und 2020 deutlich besser performt als der MSCI Emerging Markets ETF von iShares. Zu dieser Erkenntnis kommt FactSet, das die Leistung von 210 aktiv gemanagten Schwellenländer-Fonds analysierte. Gerade die wachsenden Märkte der Welt sind noch von einigen Ineffizienzen geprägt. Dies bedeutet, dass Informationen weniger schnell übermittelt und eingepreist werden als in anderen Regionen. Stock Picker finden hier also einige Chancen, wenn sie ausdauernd graben.

Das Graben jedoch ist schwierig. Der Vorwurf der Intransparenz wird in den Emerging Markets immer wieder laut. Zudem gibt es noch relativ wenige Analysten, die diese Regionen kompetent abdecken. Sprachliche und kulturelle Unterschiede steuern ihren Teil dazu bei.

Die relativ hohe Volatilität der Märkte ist eine weitere Hürde, die Anleger überwinden müssen. Aktive Aktienselektion bietet auf der Gegenseite aber auch die höchsten Renditechancen, betrachten wir die Performance-Differenz zwischen den einzelnen Titeln.

Die Chancen sind groß, die Risiken ebenso. Solange wir noch starke Unternehmen in den USA und in Europa zu günstigen Preisen finden, rate ich Privatanlegern von allzu großen Abenteuern in den Schwellenländern ab. Sicherlich müssen wir auch hierzulande mit Durststrecken klarkommen, wenn Mr. Market ganz besonders euphorisch ist. Doch solche Phasen der Überbewertung halten nicht ewig an. Sie geben uns vielmehr die Chance, Cash einzusammeln für die nächsten lukrativen Einkaufstouren.

Covid-19 bewirkt substanzielle Änderungen

Hier sollten Anleger Obacht geben: Im Zuge von Corona sind viele Aktien im März und April nicht einfach nur günstiger geworden. Viele der Unternehmen stehen nun auch vor substanziell neuen Herausforderungen. Corona wird unsere Lebensweise noch viele Monate beeinflussen. Viele Trends haben sich, gerade im Tech-Bereich, beschleunigt. Vorher schon brüchige Geschäftsmodelle knirschen nun gewaltig. Der Virus wirkt als Katalysator. Und bei der Analyse kommt es nun darauf an, diese neuen Gegebenheiten einzupreisen. Wir müssen Unternehmen finden, die diese Krise nicht einfach nur irgendwie überleben werden, sondern solche, die gestärkt aus ihr hervorgehen können.

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Das Mantra wiederhole ich gerne Tag für Tag: Unternehmen mit zukunftsfähigem Geschäftsmodell, einer soliden Bilanz und erstklassigem Management sind heute wichtiger denn je. Zum Thema Management verrate ich Ihnen später etwas mehr.

Werfen wir nun zunächst noch einen kurzen Blick auf zwei Einzeltitel.

Angesichts einer möglichen zweiten Corona-Welle mehren sich die Bedenken über das Impfstoffangebot. Sanofi gab bekannt, dass das Unternehmen etwa 20 Prozent mehr Grippe-Impfstoff als üblich produzieren könne. Dies jedoch werde die vermutlich hohe Nachfrage ab kommenden Herbst nicht befriedigen. Problematisch ist die lange Produktionszeit der Vakzine. Besonders viel Zeit nimmt die Qualitätskontrolle in Anspruch. Gleichzeitig ist die verfügbare Zeit für die Herstellung des Impfstoffs knapp, da bei der saisonalen Grippe immer erst sehr spät klar wird, gegen welche der vielen kursierenden Grippeviren geimpft werden muss. Am 28. Februar veröffentlichte die WHO ihre diesjährige Empfehlung für die kommenden Impfstoffe. Neben den Subtypen A/H3N2 und A/H1N1 sollen diesmal auch zwei Varianten der Influenza B enthalten sein.

Im Rennen um einen Covid-19-Impfstoff erhält der Tübinger Impfstoffentwickler CureVac weitere massive staatliche Unterstützung. Der Bund erwarb gestern für 300 Mio. EUR eine Beteiligung von rund 23 Prozent. Doch der Kapitalhunger bleibt riesig. Gemäß eines Schreibens des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages plant CureVac einen Börsengang an die Nasdaq noch im Juli dieses Jahres, um frisches Geld einzusammeln. CureVac ist und bleibt begehrter Übernahmekandidat ausländischer Großinvestoren – womit wir auch wieder beim Thema Management sind…

Kapitalallokation im Sinne der Aktionäre

In Zeiten volatiler Märkte können geschickte Manager mit gut durchdachten Übernahmen und Fusionen die Aktienrendite signifikant steigern. Und wenn die Kurse wild schwanken, entstehen auch immer wieder günstige Gelegenheiten für Aktienrückkäufe.

Gute Manager wissen, dass in solchen Phasen das Timing eher zweitrangig ist. Sie begnügen sich mit dem Pessimismus der Mehrheit und reinvestieren, wenn ihr Unternehmen deutlich unterbewertet wird.

Interessanterweise nimmt die Zahl der Übernahmen und Fusionen genau dann ab, wenn die Kurse weit gefallen sind und die Marktteilnehmer eher pessimistisch unterwegs sind. Wenn aber alle Welt zur Börse rennt und Aktien selbst in den Boulevardmedien angepriesen werden, steigt auch das Interesse an Übernahmen.

Messen Sie das Management an seinem ROCE!

Des Managers wichtigstes Ziel sollte stets sein, die Differenz zwischen Kapitalkosten und Kapitalrendite zu erhöhen. Die exakte Höhe der Kapitalkosten ist dabei sehr schwierig zu ermessen. Profis nehmen gerne einen pauschalen Zinssatz von 10 Prozent an. Auf Grundlage dieser Pauschale rückt die Kapitalrendite in den Fokus des Interesses.

Wir Anleger müssen uns regelmäßig fragen: Was könnten wir Besseres anstellen mit unserem Geld, als es gerade diesem Manager dieses Unternehmens anzuvertrauen? Der womöglich wichtigste Indikator zur Leistungsbeurteilung einer Geschäftsführung ist daher die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE). Ihre Formel lautet:

ROCE = EBIT / eingesetztes Kapital

Diese Kennziffer sollten wir auf mehreren Ebenen hinterfragen: Wie hoch ist sie im Vergleich zum Durchschnitt bei ähnlichen Unternehmen? Wie hat sich die Differenz der Renditen in der Vergangenheit entwickelt? Wie hoch ist die Rendite im Vergleich zum historischen Durchschnitt beim gleichen Unternehmen? Wie hoch war sie, bevor das aktuelle Management übernommen hat?

Die Antworten geben uns einen guten ersten Anhaltspunkt für das Kapital-Handling der Manager. So weit für heute der finanzmathematische Exkurs…

Ich wünsche Ihnen erfolgreichen Tag!

Ihr

Henning Lindhoff

Redakteur Der Privatinvestor

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