Das waren noch Zeiten. Der deutsche Werkzeug- und Maschinenbau war einst weltweit führend. Im Zuge der Globalisierung hat sich dies jedoch geändert. Heute werden viele Industrieprodukte ebenso gut und vor allem billiger in Volkswirtschaften wie China oder Südkorea hergestellt. Dennoch haben einige hochspezialisierte Nischenplayer wie die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG (kurz: Hermle) aus dem schwäbischen Gosheim den Standort gehalten.

Hermle gehört zu den führenden Herstellern von Fräsmaschinen. Aufgrund ihrer hohen Präzision kommen sie vor allem in Zulieferbetrieben der optischen Industrie, der Medizintechnik, im Motorsport, der Automobilindustrie und in der Luftfahrt zum Einsatz. Hermle überzeugt durch äußerst flexible Strukturen, eine sehr solide Finanzbasis und eine große Kompetenz auf dem Gebiet der Automatisierung. 

Corona sorgt für Umsatzrückgang

Während der Corona-Pandemie hat Hermle, wie viele andere Firmen, deutliche Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen müssen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 wies das Unternehmen einen Konzernumsatz von rund 296 Mio. EUR aus. Ein Jahr zuvor waren es noch 463 Mio. EUR. Das Betriebsergebnis (EBIT) belief sich auf circa 54 Mio. EUR (Vorjahreszeitraum: 114,2 Mio. EUR). Die Bruttoumsatzmarge sackte von 24,6 % auf 18 % ab.

Bemerkenswert: Im Ausland fiel der Rückgang geringer aus als im Inland. Deutschland war neben der Corona-Krise auch durch den Strukturwandel der Automobilindustrie geprägt.

Jede Krise ist irgendwann vorbei. Bereits seit Mitte 2020 verzeichnet Hermle eine moderate Nachfrageerholung. Diese setzte sich im 1. Quartal 2021 fort. Laut dem Maschinenbauer erhöhte sich der Auftragseingang in den ersten drei Monaten des Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 um 9,5 % auf 77,2 Mio. EUR (Vorjahreszeitraum: 70,5 Mio. EUR).

Insbesondere auf dem Heimatmarkt erholte sich die Auftragslage nun stark. Während die neuen Bestellungen international mit 48,7 Mio. EUR noch geringfügig unter Vorjahr lagen (49,3 Mio. EUR), stieg der inländische Auftragseingang deutlich um 34,4 % auf 28,5 Mio. EUR (Vorjahreszeitraum 21,2 Mio. EUR). 

Die jüngste Erholung bei den Auftragseingängen spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Seit etwa einem halben Jahr hat die Hermle-Aktie um rund 25 % zugelegt.

Nachholbedarf und Potenzial durch Industrie 4.0

Hermle hat nun, da sich ein vorläufiges Ende der Pandemie abzeichnet, enorme Chancen und ein großes Entfaltungspotenzial. Besonders während der verschiedenen Lockdownphasen wurden  sich zahlreiche Unternehmen ihres Nachholbedarfs in Sachen Automatisierung, Digitalisierung und Robotik bewusst.

Wer den Anschluss nicht verpassen will, kann diesbezügliche Investitionen nicht auf ewig hinausschieben. Für Firmen, die gerade jetzt investieren, kann dies sogar ein entscheidender Vorteil bedeuten. Sie könnten sich auf die Weise einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Klarer Hinweis darauf: Jetzt, da die Zeichen wieder auf konjunkturelle Erholung stehen, ziehen die Aufträge bei Hermle wieder an. Vielleicht wird sogar ein langanhaltender Run daraus. Für Hermle hat „Industrie 4.0“ bereits begonnen.

Finanzstark

Hermle weist eine Eigenkapitalquote von rund 79 % auf. Auch an anderer Stelle wird die Finanzstärke des Unternehmens deutlich. Noch immer verfügt Hermle über eine Nettoliquidität in Höhe von 130 Mio. EUR – und das bei einer Bilanzsumme von etwa 297 Mio. EUR. Mit einem solchen Puffer kommt Hermle gut durch Krisen. Im letzten Jahr hat Hermle dies eindeutig bewiesen.

Hermle ist geradezu ein Paradebeispiel für das alte Markenzeichen „Made in Germany“. Zuverlässigkeit und Präzision waren einstmals Attribute für die Technik deutscher Industrieprodukte. Darauf beruhte das sogenannte Wirtschaftswunder in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg. Hermle zeichnet sich aber auch durch eine solides Finanzmanagement und durch kurze Entscheidungswege aus, wie sie nur in familiengeführten Gesellschaften beobachtet werden können.

Aber wie sollen Sie sich als Privatinvestor in der aktuellen Situation verhalten? Ist die Hermle-Aktie im Moment ein Kauf? Oder sollten Sie derzeit lieber noch vorsichtig sein und die Lage beobachten? Könnte irgendetwas die Erholung bremsen? Eine detaillierte Bewertung finden Sie in unserer Privatinvestor-Datenbank.

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Prof. Dr. Max Otte

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