Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Das gilt besonders auch für die deutschen Industrie-Aktien. Wirklich hart hat es die Zulieferer der Automobilhersteller getroffen. Während der Höhepunkte der Pandemie hat die Flaute des Marktes fast allen zu schaffen gemacht. Auch der Entwicklungsdienstleister Bertrandt aus dem schwäbischen Ehningen musste Federn lassen.     

Solange Bertrandt im Bereich Industrial Engineering in erster Linie Kunden aus dem Automobilsektor bedient, wird sich an dieser Situation nichts ändern. Der Ergebniseinbruch von Bertrandt im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 hat uns nicht überrascht. Selbst die Börse blieb davon unbeeindruckt. Seit Anfang November 2020 hat die Bertrandt-Aktie um mehr als 50 % zugelegt.

Investoren interessiert vor allem: Ist Bertrandt seinem Ziel, sich von der Automobilbranche unabhängiger zu machen, nähergekommen? Und ist der Konzern zukunftsfähig? Trotz der Kursdelle und der schwachen Zahlen im Jahr 2020 können wir beides bejahen. Das Management hat seine langfristigen Ziele fest im Blick und verfolgt diese konsequent. Auch wenn der Fokus kurzfristig auf Liquiditätserhalt und Kosteneinsparungen gerichtet werden musste, wurde an wichtigen Investitionen in die Zukunftsfähigkeit festgehalten.

Bertrandt ist daher kein Unternehmen, das Sie abschreiben sollten. In der Industrie werden digitale Entwicklungstools immer wichtiger. Der Entwicklungsdienstleister bietet u. a. mit Hilfe von 3D-Technik und Virtual Reality vielversprechende Lösungen.

Wege aus der Abhängigkeit vom konventionellen Automobilbau

Um die Abhängigkeit vom Automobilsektor abzubauen, müssen neue Kundensegmente erschlossen werden. Ein Bereich, auf den sich Bertrandt fokussiert, ist die Medizintechnik. Klar, denn Forschung- und Entwicklung werden in dieser Branche großgeschrieben. Die Nachfrage an Test- und Entwicklungs-Know-how ist entsprechend hoch. Ein erster Schritt war die Gründung der Bertrandt Medical GmbH Ende 2019.

Das neue Tochterunternehmen bündelt sämtliche Aktivitäten und Angebote, die auf die Medizintechnik-Branche abzielen. Ein weiterer wichtiger Meilenstein wurde 2020 erreicht. Bertrandt Medical erreichte 2020 als weiteren wichtigen Meilenstein die vollumfängliche Zertifizierung nach ISO 13485. Für potenzielle Kunden ist dies extrem bedeutend, weil sie nur so regulatorische Anforderungen in punkto Sicherheit erfüllen können.

Bertrandt legt den Fokus im Kerngeschäftsfeld, Engineering für die Automobilindustrie, auf ein neues Erfolgsrezept: DAVE. DAVE ist ein Akronym aus den Begriffen Digitisation, Autonomous Driving, Vehicle Connectivity und Electric Mobility. Zu Deutsch: Digitalisierung, Autonomes Fahren, Konnektivität und E-Mobilität. Diese Bereiche werden nicht nur mit hauseigenen Investitionen vorangebracht. Das Unternehmen setzt auch auf strategische Kooperationen. So ging Bertrandt eine Zusammenarbeit dem Systementwickler Bozzio ein. Bozzio ist auf dem Gebiet von Drive-Wire-Systemen einer der führenden Anbieter sowohl in Europa als auch auf dem US-Markt.

Auch Bertrandt geht es um die Frage, welche Antriebstechnologie sich durchsetzen wird. Der strombetriebene Elektromotor oder Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technik? Das ist noch keineswegs entschieden. Möglicherweise werden beide auch nebeneinander existieren – so wie heute noch Benziner und Diesel. Bertrandt bietet daher Lösungen für beide Technologien. Nur wenige Unternehmen im Automobilbereich haben sich bislang für die strengen Sicherheitsbestimmungen qualifiziert – Bertrandt ist eines davon.

Geschäftszahlen erholen sich wieder

Wie erwartet wurden auch die Zahlen von Bertrandt durch Corona in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Veröffentlichung der Daten für das 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2020/21 Ende Mai deutet sich aber bereits wieder eine Verbesserung an. In diesem Zeitraum belief sich die Gesamtleistung auf 416 Mio. EUR (Vorjahr 508 Mio. EUR). Nach 202 Mio. EUR im ersten Quartal konnte die Gesamtleistung im zweiten Quartal um 6,6 % auf 215 Mio. EUR gesteigert werden. Das EBIT lag bei 11 Mio. EUR nach rund 21 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum. Dies entspricht einer Marge von 2,7 % (Vorjahr 4,2 %). Die Investitionen beliefen sich auf ca. 22 Mio. EUR (Vorjahr rund 27 Mio. EUR).

Wie geht es weiter?

Bertrandt zählt zu den Musterschülern der heimischen Industrie und steht für deutsche Ingenieurskunst. Das Unternehmen zeichnet sich aus durch eine breite Angebotspalette. Immer wieder angefacht, durch mutige Innovationen. Weiterer Pluspunkt: Die Firmenpolitik setzt auf ein breiteres Sortiment, mit dem immer wieder neue Kundenkreise angesprochen werden können.

Wie aber geht es am Ende oder nach der Pandemie weiter mit dem Bertrandt-Kurs. Was sollen Sie als Privatinvestor in der aktuellen Situation machen? War der Kursanstieg der zurückliegenden Monate vielleicht schon zu viel? Oder ist das Nachholpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft?

Entscheidend ist, auf aktuelle Entwicklungen jederzeit schnell zu reagieren. Mithilfe unserer Datenbank können Sie das. Zusammen mit unserem Kapitalanlagebrief Der Privatinvestor unterstützt Sie diese Toolbox dabei, Ihre Anlagestrategie immer wieder anzupassen und Ihre Investmententscheidungen leichter zu fällen.

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Auf gute Investments!

Kerstin Franzisi

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