Corona hat viele Bereiche unseres Lebens verändert und die Wahrnehmung verstärkt auf bestimmte Themen gelenkt. So zum Beispiel auf pharmazeutische Forschung. Wenn selbst Laien über Inzidenzraten diskutieren und beinahe täglich auf die diversen Pandemie-Statistiken schielen, sind das eindeutige Indizien dafür. So geraten auch pharmazeutische Forschungsunternehmen in den Fokus, die eigentlich nichts mit Covid-19 zu tun haben: Clinuvel mit Firmensitz in Melbourne, Australien, ist eines davon. Clinuvel hat sich als Pharmaunternehmen auf neuartige Therapien zur Behandlung von Hautkrankheiten spezialisiert. Das Unternehmen entwickelt hierzu neue Wirkstoffe und Medikamente mit photo-protektiven, anti-oxidativen, entzündungshemmenden, vaso-aktiven und anti-onkotischen Eigenschaften.

Flaggschiff-Medikament: Scenesse

Seinen Durchbruch schaffte Clinuvel mit der Markteinführung des Medikaments Scenesse zur Behandlung der genetisch bedingten und bislang unheilbaren Krankheit erythropoetische Protoporphyrie (EPP). Diese bis vor wenigen Jahren medikamentös nicht behandelbare Erkrankung ruft bei Betroffenen starke Schmerzen auf der Haut hervor, sobald diese mit Licht in Kontakt kommt. Dies muss nicht nur Sonnenlicht sein, die Symptome treten selbst bei künstlichem Licht auf. Das Leiden ist für Patienten daher groß – ohne Therapie, die dank Scenesse nun möglich ist, müssen sie ihr Leben fast in vollkommener Dunkelheit verbringen.

Scenesse ist für Betroffene im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtblick. Gleichzeitig gelang Clinuvel damit nach vielen Jahren der Forschung endlich der Break Even.

Kluge Nische

Jetzt wo die Gewinnschwelle erreicht ist, ist für Clinuvel noch lange nicht aller Tage Abend. Tatsächlich könnte dies erst der Anfang einer langen Erfolgsgeschichte sein. In der Pipeline befinden sich noch einige weitere potenzielle Kandidaten. Neben neuen Wirkstoffen forscht Clinuvel auch an neuen Indikationen und Behandlungsfeldern für den Wirkstoff, auf dem Scenesse beruht.

Die Spezialisierung von Clinuvel auf Hautkrankheiten ist ein kluger strategischer Schachzug, denn auf diesem Gebiet ist der Wettbewerb weniger stark ausgeprägt als auf anderen Forschungsgebieten. Clinuvel kann sich in diesem Bereich als Marktführer und Platzhirsch positionieren.

Kleinere Probleme aufgrund von Corona

Natürlich ist an Clinuvel wie an vielen anderen Unternehmen die Pandemie nicht spurlos vorüber gegangen. Dadurch, dass sich Kliniken auf die Behandlung von Covid-19-Patienten fokussieren mussten, waren in den diversen Lockdowns manche EPP-Therapiezentren nicht in der Lage, Patienten zu behandeln. Umgekehrt hatten eine Reihe von Patienten auch Schwierigkeiten, aufgrund der Reisebeschränkungen überhaupt zu einer der Behandlungsstätten zu gelangen. Und selbst wenn es möglich war, hatten manche Patienten Angst, sich mit Corona zu infizieren. Daher haben einige auf eigentlich notwendige Besuche verzichtet.

Zweigleisige Wachstumsstrategie

Wie Clinuvel Ende 2020 auf der London Healthcare Conference darlegte, konzentriert sich das Unternehmen nun auf zwei Bereiche: Erstens, das Behandlungsspektrum von Scenesse auf weitere Hautkrankheiten zu erweitern und zweitens, neue Medikamente und Wirkstoffe zu entwickeln. Mit dieser Diversifikationsstrategie minimiert Clinuvel zum einen seine Abhängigkeit von einem Medikament mit einer einzigen Indikation, zum anderem erweitert die Gesellschaft damit ihre Wachstumsperspektiven.

Vielversprechend ist derzeit unter anderem die Ausweitung der Anwendung von Scenesse auf die Krankheit Vitiligo. Die auch als „Weißflecken-Krankheit“ bekannte Pigmentstörung ist global sehr weit verbreitet. Gelingt hier die Zulassung, erweitert sich der Patientenkreis für Clinuvel auf einen Schlag deutlich. Dies könnte mittel- bis langfristig auch dazu führen, dass das Medikament bzw. die Behandlung mit dem Wirkstoff für Patienten kostengünstiger wird. Dies wäre auch für EPP-Patienten, die sich nach jetzigem Stand ein Leben lang behandeln lassen müssen, und für deren Krankenkassen von Vorteil.

Neue Geschäftsfelder werden angepeilt

Clinuvel präsentierte auf der London Healthcare Conference den Plan, mit der Indikation für Vitiligo die Studienphase II noch in diesem Jahr abzuschließen. Des Weiteren arbeitet das Unternehmen am Einsatz von Scenesse gegen die Krankheit Variegate Porphyria (PV). Dabei handelt es sich um eine akute Stoffwechselerkrankung, die unter anderem eine gelegentliche Unverträglichkeit gegenüber Sonnenlicht hervorrufen kann. Wie auch EPP ist diese Krankheit angeboren und auf einen Gendefekt zurückzuführen. Der Eintritt in die Studienphase-II findet derzeit statt.

Clinuvel hegt zudem Pläne, völlig neue Behandlungsbereiche anzustreben. So gab das Unternehmen bekannt, seinen Wirkstoff nun auch an Schlaganfallpatienten testen zu wollen. Wenn es dabei einen Durchbruch gibt, würde sich Clinuvel einen riesigen globalen Markt erschließen. Zudem halten wir es für interessant, dass Clinuvel an nicht-rezeptpflichtigen Produkten arbeitet, etwa Hautpflegemitteln, die im Allgemeinen einen UV-Schutz bieten sollen. Derartiges hatte Clinuvel schon längere Zeit vor. Das Management wartete jedoch richtigerweise erst einmal die US-Zulassung für Scenesse ab. Jetzt, wo Clinuvel die Gewinnschwelle deutlich durchbrochen hat und finanziell stark genug aufgestellt ist, sind derartige Projekte bereit für die Umsetzung.

Halbjahreszahlen über den Erwartungen

Die Halbjahreszahlen von Clinuvel für das Geschäftsjahr 2020/21 lagen über den Erwartungen. Der Umsatz stieg um 58 %. Der Nettogewinn wurde mit fast 6,5 Mio. AUD angegeben. Damit hat dieser sich mehr als verzehnfacht. Derzeit beläuft sich die Nettomarge auf etwa 35 %. Wir halten den Cashflow bzw. CFFO noch als wesentlich aussagekräftiger als den Gewinn. Dieser hat sich fast verdoppelt. Der Cash-Bestand stieg um 9 % auf knapp 73 Mio. AUD.

Und die Aktie?

Wird die Aktie ihren Aufwärtstrend fortsetzen oder müssen Sie mit einer Stagnation rechnen? Das Geschäftsmodell von Clinuvel bietet einerseits Chancen, birgt aber auch Risiken. Wir sind der Meinung, sollte nur eine der Optionen von Clinuvel Erfolg bringen, kann das Unternehmen seinen erfolgreichen Weg weiter beschreiten. Allerdings können beispielsweise ausbleibende Zulassungen der ganzen Sache einen Strich durch die Rechnung machen. Mithilfe unserer Datenbank bleiben Sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt auf dem Laufenden. Hier informieren wir Sie unverzüglich über aktuelle Entwicklungen. Sie sollten nicht auf unsere aktuellen Analysen und Informationen verzichten, denn dadurch wird Ihre Entscheidungsfindung erleichtert. Mit unserer Datenbank verfeinern Sie Ihre Anlagestrategie und Sie werden an der Börse erfolgreicher.

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Prof. Dr. Max Otte

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