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Konjunkturelle Sorgen veranlassten viele Unternehmen im letzten Jahr zu Sparmaßnahmen. Den Rotstift setzten sie dabei u.a. bei den Werbeausgaben an. Dies bekam Alphabet (WKN: A14Y6F) zu spüren. Sowohl die Werbeumsätze über die Video-Plattform YouTube als auch über das Google-Suchmaschinennetzwerk gingen seit Herbst 2022 zurück.

Auch Chat GPT und dessen Integration von Microsoft in die Suchmaschine Bing verursachte in den letzten Monaten bei so manchem Alphabet-Aktionär Stirnrunzeln. Geht die Google-Ära damit zu Ende?

Bislang dominierte Google den Suchmaschinenmarkt ohne nennenswerte Konkurrenz. „Googeln“ hat es als Verb längst in den Duden geschafft. Bing von Microsoft fristete bisher ein nahezu belangloses Dasein. Jetzt, angereichert mit neuen KI-Funktionen, schließen wir nicht aus, dass Microsoft dem Platzhirsch Alphabet doch Marktanteile abluchsen kann.

Google will den Spitzenplatz bei Suchmaschinen auch im KI-Zeitalter verteidigen

Dennoch sind wir überzeugt, dass Alphabet im Suchmaschinen-Geschäft ein, wenn nicht gar „der“ dominante Player bleiben wird. Alphabet gibt zudem in Sachen generative KI im Moment ebenfalls ordentlich Gas. Mit Bard brachte der Konzern nur wenig zeitversetzt zu Chat GTP einen eigenen Chatbot heraus. Eine speziell für den medizinischen Einsatz geschulte Version befindet sich gerade in der Testphase ebenso wie eine Journalismus-KI mit Namen Genesis.

Die jüngsten Zahlen, die Alphabet für sein abgelaufenes zweites Quartal 2023 veröffentlichte, zeigen außerdem, wie robust das Kerngeschäft (Werbung) ist. Nach zwei schwächeren Quartalen (Q4/2022 und Q1/2023) gelang dem Konzern in diesem Segment bereits jetzt wieder die Trendwende. Die Werbeumsätze über das Google-Suchmaschinennetzwerk stiegen im Zeitraum April bis Juni 2023 von 40,7 auf 42,6 Mrd. USD an. Das entspricht einem Plus von 4,7 %. Auch die Anzeigenerlöse über die Video-Plattform YouTube erholen sich wieder. Diese stiegen von 7,3 auf knapp 7,7 Mrd. USD (+5,4%).

Der operative Gewinn wuchs im zweiten Quartal 2023 von 19,4 auf 21,8 Mrd. USD. Dies geht nach wie vor fast ausschließlich auf das Werbegeschäft zurück und entspricht einem Plus von 12,4%. Das Nettoergebnis verbesserte sich von 16,0 auf 18,4 Mrd. USD (+15,0%).

Das Umsatzwachstum in der Cloud-Sparte bleibt mit einem Plus von fast 28% im deutlich zweistelligen Bereich. Von 6,3 Mrd. USD kletterten die darüber generierten Erlöse auf 8,0 Mrd. USD. Damit trägt das Cloud-Geschäft nun knapp 11 % zum Konzernumsatz bei. Vor einem Jahr waren es nur 9%. Wir erwarten, dass der Umsatzbeitrag dieser Sparte in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.

Sehr erfreulich ist zudem, dass das Cloud-Geschäft nun in der Gewinnzone angelangt ist. Vor einem Jahr wies Alphabet in diesem Segment noch einen operativen Verlust in Höhe von 590 Mio. USD aus. Jetzt steht an dieser Stelle ein operativer Gewinn in Höhe von 395 Mio. USD. Noch ist die operative Marge mit jetzt 4,9 % gering. Zum Vergleich: Das Werbe- und Servicegeschäft der Konzerntochter Google bringt derzeit eine operative Marge von über 35%. Doch immerhin, ein Anfang ist in der Cloudsparte gemacht.

Lohnt sich aktuell ein Einstieg bei Alphabet?

Wir werden die Entwicklung von Chat GPT und Bing im Auge behalten. Sollte Alphabet seine Marktposition behaupten können und sollte sich das jetzt präsentierte Wachstum in den Folgequartalen fortsetzen, kann dies den Inneren Wert weiter erhöhen.

Wo dieser genau liegt, erfahren Sie in unserem wöchentlichen Kapitalanlagebrief. Als Mitglied haben Sie jederzeit Zugriff auf unser Ausgabenarchiv sowie unsere stets aktuell gehaltene Unternehmensdatenbank. Hier können Sie unsere Bewertungen zu Alphabet und den weiteren Fokusunternehmen jederzeit abrufen.

Auf gute Investments!

Ihre Kerstin Franzisi
Chefredakteurin Der Privatinvestor

Die Manager im Silicon Valley sind in eine Winterstarre gefallen und warten darauf, ob und wie sehr die Rezession weltweit um sich greift. Die Massenentlassungen im Tech-Sektor erreichten im November und Dezember 2022 einen Höhepunkt mir insgesamt rund 150.000 gefeuerten Mitarbeitern. Wer noch nicht entlassen hat, hat Einstellungsstopps verhängt. 

Die Entlassungswelle bei den Titanen aus dem US-Technologiesektor hat zahlreiche Ursachen. Hierzu zählt unter anderem eine Reaktion auf das Ende des „Corona-Booms“, der vielen Tech-Konzerne eine Art Sonderkonjunktur beschert hatte. Ebenso haben ökonomische Entwicklungen wie Veränderungen in verschiedenen Gebieten des Tech-Sektors beigetragen. Die Unternehmen bereiten sich nach Jahren des Wachstums auf magere Jahre vor.

Anders als andere Branchen bescherte die Pandemie vielen Big Techs Rekordumsätze. Zuletzt gab es Massenentlassungen in diesem Ausmaß vor mehr als 20 Jahren beim Platzen der Dotcom-Blase.

Allerdings sind Krisen wie wir sie derzeit erleben wichtig, weil sie eine Chance zur Disziplinierung und Selbstreflexion eröffnen.

Einige Belegschaften erwischt es stärker als andere

Erstmals seit der Firmengründung im Jahr 2004 baut der ehemalige Facebook-Konzern Meta Stellen ab. Meta (WKN: A1JWVX) leidet Milliardenverlusten seiner Sparte “Reality Labs”. Hier bündelt das Unternehmen unter anderem die Entwicklung des “Metaversum”. Diese virtuelle Welt wurde noch vor wenigen Monaten von Firmenchef Mark Zuckerberg als besonders zukunftsträchtig bezeichnet. Zudem muss Meta wegbrechenden Werbeeinnahmen begegnen. Unter dem Strich sollen 11.000 Jobs wegfallen, was rund 13 % der Belegschaft entspricht.

Bei Konkurrent Twitter (WKN: A2R370) gab es bereits einige Monate zuvor Entlassungen größeren Stils. Nachdem Elon Musk den Kurznachrichtendienst übernommen hatte, feuerte er ca. 3.700 Beschäftigte. Das entspricht etwa der Hälfte der Belegschaft.

Amazon (WKN: 906866) hat ebenfalls angekündigt mehr als 18.000 Jobs zu streichen. Ein Insider hatte einige Monate zuvor von etwa 10.000 Jobs gesprochen. Insgesamt entspricht die neue Zahl rund sechs % der ca. 300.000 Beschäftigten in der Verwaltung.

Bei Microsoft (WKN: 870747) fällt der Mitarbeiterabbau relativ moderat aus. Laut einiger Medienberichte kürzt der Software-Konzern knapp 1.000 seiner insgesamt 221.000 Stellen. Der Konzern hatte erklärt, dass er seine Geschäftsbereiche konstant auf potentielle Optimierungen abklopfe und demnach strukturelle Anpassungen treffe. Es werde permanent in Bereichen eingespart, in denen unnötige Ressourcen gebunden sind, beispielsweise in der Gaming Sparte. 

Auch bei anderen US-Tech-Giganten wurden oder werden Stellen gestrichen. Zu den bekanntesten gehören Apple (WKN: 865985), HP (WKN: 870747), Alphabet (WKN: A14Y6F), Seagate (WKN: A3CQU7), Micron (WKN: 869020), Coinbase (WKN: A2QP7J) und Cisco (WKN: 878841).

Gründe für die Kündigungen

Während der Covid-Krise wurde bei vielen Unternehmen massiv Humankapital aufgebaut, um der massiv gestiegenen Nachfrage nachkommen zu können. Derzeit stagniert die Nachfrage jedoch je nach Konzern und Bereich. Eine Rezession droht und die Tech-Giganten werden auch von ihren Investoren dazu veranlasst, Einsparungsmaßnahmen infolge des steigenden Margen- und Kostendrucks zu treffen.

Zahlreiche Unternehmen haben während der Pandemie zu viele Mitarbeiter eingestellt und legen nun den Rückwärtsgang ein. Allerdings nutzen nicht wenige Firmen die Situation, um die weniger geeignete Beschäftigte loszuwerden und später dann neue Talente einzustellen. In den USA ist ein solches Vorgehen eine gängige Praxis. Auch in 2023 dürfte der Pro-Kopf-Umsatz in nahezu jedem IT-Unternehmen steigen.

Zudem weist das Wall Street Journal in einem Bericht darauf hin, dass der massive Stellenabbau bei den Tech-Konzernen in den USA im Widerspruch zum Trend auf dem restlichen Arbeitsmarkt steht. Andere Wirtschaftsbereiche sind weniger abhängig von der inzwischen beendeten Niedrigzinspolitik. Daher finde die große Mehrzahl der Entlassenen relativ schnell wieder eine neue Stelle.

Anlass zu Optimismus

Der Rückgang der Inflation auf internationaler Ebene gibt Anlass zu Optimismus auch, was den US-Arbeitsmarkt betrifft. Denn infolge einer geringeren Teuerungsrate kann die US-Notenbank Fed bei den angekündigten Zinsanhebungen weniger stringent vorgehen. Dadurch wird sich auch das erwartete Zinsumfeld für die US-Tech-Konzerne verbessern, was wohl dazu führen könnte die Entlassungswellen abzumildern.    

Hinweis für eine Abschwächung der globalen Inflation sind die grade erst publizierten US-Verbraucherpreisdaten in den USA. Im Dezember stiegen die US-Konsumentenpreise im Jahresvergleich nur noch um 6,5 %, was gegenüber Juni 2022 mit 9,1 % eine deutliche Verbesserung darstellt.

Ende November hätte Alphabet (WKN: A14Y6F) an der Börse NASDAQ beinahe wieder die Marke von 100 USD geknackt, doch seitdem geht es wieder nach unten. Aktuell notiert die Aktie bei knapp 95 USD. Die neue „Hiobsbotschaft“ in den Medien: Jetzt steht auch Alphabet durch einen aktivistischen Investor unter Druck.

Ein neuer Eigentümer mischt sich ein

TCI Fund Management ist bereits seit 2017 in Alphabet investiert. Bisher hielt sich TCI still im Hintergrund. Solange der Tech-Gigant zweistelliges Umsatzwachstum vorwies, gab es für ihn auch keinen Grund, laut zu werden. Doch 6 % Umsatzplus, wie es Alphabet nun im dritten Quartal präsentierte, sind dem aktivistischen Investor zu wenig.

In einem offenen Brief an Alphabet-Chef Sundar Pichai fordert TCI aggressive Maßnahmen, um den Konzern möglichst schnell wieder auf mehr Wachstum und mehr Profitabilität zu trimmen. Seine Hauptforderungen: Ein radikaler Schnitt bei den Personalkosten. Auch Projekte wie Autonomes Fahren von Waymo solle Alphabet auf den Prüfstand stellen.

Alphabet investiert in zukunftsträchtige Innovationen

Es stimmt, Waymo – überhaupt der gesamte Bereich „Other Bets“ – ist bei Alphabet bis heute defizitär. Dank der starken Cashflows durch das Werbegeschäft kann sich der Konzern derartige Zukunftswetten aber leisten. Gerade Waymo hat in den letzten Monaten gute Fortschritte gemacht. Gerade ist Alphabet dabei, seine Robo-Taxis in weiteren US-Großstädten auf die Straße zu bringen. Nach Phoenix und San Francisco ist jetzt Los Angeles an der Reihe, weitere Städte sollen folgen. Das Projekt jetzt einzustampfen, wäre der absolut falsche Zeitpunkt.

Die Forderung nach Personalkostenkürzungen wiederum halten wir für nicht ganz abwegig. Seit 2017 ist die Mitarbeiterzahl um mehr als 20 % pro Jahr gestiegen. Das Mediangehalt soll nach Aussage von TCI zudem um zwei Drittel höher als bei Microsoft sein. Angesichts der gestiegenen Energie- und Hardwarepreise, welche derzeit die Margen drücken, können wir uns vorstellen, dass die Konzernspitze ganz ohne Zutun von TCI über diverse Einsparmaßnahmen nachdenkt – sehr wahrscheinlich auch auf der Personalkostenseite.

Alphabet ist weiterhin attraktiv

Insgesamt halten wir den Einfluss von TCI auf Alphabet medial für überschätzt. Das Aktienpaket des Hedgefonds hat zwar einen aktuellen Gegenwert von rund 6 Mrd. USD, prozentual macht die Beteiligung jedoch weniger als 0,5 % aus. Unsere Investmentthese jedenfalls bleibt durch den neuerlichen Aktivismus von TCI unbeeinflusst.

Alphabet ist und bleibt einer der großen Gewinner der voranschreitenden Digitalisierung. Die Entwicklung im Cloud-Geschäft – die Umsätze wuchsen hier auch im dritten Quartal um 36 % – belegt dies.

Auf gute Investments!

Ihr Kerstin Franzisi | Chefredakteurin Der Privatinvestor